Die Trapez Geschichte

sdaManchmal stelle ich mir vor, dass mein Leben aus einer Reihe von Trapezschwüngen besteht. Entweder halte ich mich an einer Trapez Stange fest oder ich sause für ein paar Momente durch den Raum zwischen den Trapezstangen. Die meiste Zeit halte ich, aus Angst um mein Leben, an meinen illusionären Trapezstangen des jeweiligen Moments, fest.  Ich schwinge in gleichmäßiger Geschwindigkeit hin und her und ich stelle mir vor, dass ich mein Leben unter Kontrolle habe. Während ich so hin und her schwinge, kenne ich die meisten der richtigen Fragen und sogar ein paar der richtigen Antworten. Aber manchmal, während ich freudig (oder nicht so freudig) dahin schwinge, sehe ich eine neue Trapezstange in meine Richtung fliegen. Tief in mir gibt es einen Platz der weiß, dass diese neue Trapezstange für mich bestimmt ist. Es stellt für mich meinen nächsten Schritt dar, mein Wachstum, meine Lebendigkeit, die kommt, um mich in Empfang zu nehmen. Tief in meinem Herzen weiß ich, dass ich um zu wachsen meinen eisernen Griff von dieser aktuellen Stange lösen und mich auf die neue zubewegen muss.

Jedes Mal wenn mir das geschieht bete ich, dass ich diese neue Stange von einem Ort des tiefen spirituellen Wissens aus greifen werde, so dass ich intuitiv die Lehren empfangen werde, ohne sie durch meinen Verstand „verstehen“ zu wollen. Mir wird klar, dass ich meinen Griff um die alte Eisenstange vollkommen entspannen muss, (das Loslassen der Geschichte innerhalb des Prozesses) und für einen Moment durch den unbekannten Raum sause, bis ich die nächste Stange ergreife. Wenn ich das tue bin ich erfüllt von Angst und Schrecken, ich stelle mir vor, dass ich danebengreife und deshalb zerschmettert werde, auf den unsichtbaren Felsen des bodenlosen, klaffenden Abgrundes, zwischen den Stangen. Es spielt keine Rolle, dass ich es bei all meinen bisherigen Sprüngen über die unbekannte Leere geschafft habe. Vielleicht ist das die Essenzen dessen was die Mystiker die Gotteserfahrung nennen (eine bewusste Begegnung mit Gott oder eine Handlung Gottes, initiiert durch Gott, die sichtbare Ergebnisse im Leben von Einzelnen und Gemeinschaften erzeugt).

Auch ohne Garantien entscheide ich es einfach zu machen, denn das Festhalten an meiner aktuellen Stange ist nicht länger auf meiner Liste von Alternativen, also fliege ich durch die dunkle Leere von „die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft ist noch nicht hier“. Das ist der Ort des Übergangs. Ich bin zu dem Glauben gelangt, dass dies der einzige Ort ist, an dem wirkliche Veränderung geschieht, keine Pseudoveränderungen, die nur andauern bis beim nächsten Mal meine alten Knöpfe gedrückt werden.

Ich habe festgestellt, dass in unserer Kultur der Übergang als ein „Nichts“ oder „kein Ort“ zwischen den Orten angesehen wird. Die alte Trapezstange war real und die neue, die auf mich zukommt ist auch real, aber was ist mit dem Bereich dazwischen? Ist dieser Ort, wie nach meiner Erfahrung in unserer Kultur behauptet wird, nur furchterregend, verwirrend, desorientierend, ein „Nirgendwo“ durch das ich hindurch muss, so schnell und unbewusst wie möglich? Was wäre wenn die Trapezstange nicht real wäre? Meine Vermutung ist, dass die Übergangszone der einzig reale Platz ist und das die Stange eine Illusion ist, um die Leere zu vermeiden, in der tatsächliche Veränderung und Wachstum stattfinden. Ob meine Vermutung stimmt oder nicht, die Übergansbereiche in meinem Leben sind unglaublich reichhaltige Orte, die ich ehre, ja sogar genieße. Meine Einbildung der Angst und des Kontrollverlustes mögen meinen Übergang begleiten, aber sie sind nach wie vor die lebendigsten, wachstumfördernsten, passioniertesten und erweiterndsten Momente meines Lebens.

Daher hat die Transformation vielleicht gar nichts damit zu tun, dass die Angst weggeht, sondern eher damit, dass ich mir die Erlaubnis gebe im Übergang zu „sein“, zwischen den Trapezstangen. Indem ich meinen Wunsch, die nächste Trapezstange zu ergreifen, transformiere, ermögliche ich mir selbst in der Leere zu sein, dem einzigen Ort an dem Veränderung tatsächlich stattfindet. Während dieses Prozesses finde ich meine Flügel, während ich bei meiner Bewegung durch die Leere lerne zu fliegen. Die Erfahrung ist gleichzeitig erschreckend und erleuchtend.

The Essence Book of Days von Danaan Parry/ Arthur Munyer edits to my work.